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Leonid Mezheritski ist ein Meister, der sich durch hervorragendes handwerkliches Können und außergewöhnliches Farbempfinden auszeichnet. Er beherrscht gleichermaßen die Genres des Porträts, des Stilllebens und der Landschaftsmalerei, wobei letztere in seinem Schaffen einen besonderen Platz einnimmt. Die zahlreichen Landschaftsbilder bestechen durch ihre Poesie und ziehen immer wieder die Blicke des Betrachters auf sich, ohne ihn dabei zu ermüden. Die Werke zeichnen sich durch eine harmonische, vergeistigte Verbindung zwischen Natur, Maler und Leinwand aus. Dabei konzentriert sich der Künstler meistens auf scheinbar einfache Motive, deren malerische Umsetzung jedoch eine schwierige künstlerische Aufgabe darstellt. Booklet einer Ausstellung. 1990-er

Besonders interessant sind Mezheritskis koloristische Experimente, wenn er intensive Orange- und Gelbtöne bis an jene Grenze führt, an der sich die Farbkomposition ins Abstrakte wandelt. So z.B. in „Stillleben. Orangen auf weißem Gewand“ oder besonders eindrucksvoll in „Apfelsinen“, einer ausdrucksstarken Komposition orange leuchtender Früchte, die auf blauem, grünem und bläulichem Gewand und einem braunen Teller angeordnet sind. Eine farblich mutige Lösung, die hauptsächlich auf der Kombination von blau und orange basiert und einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt. Lena Belenkaja, Kunsthistorikerin. 2009

An den Werken Leonid Mezheritskis fasziniert mich vor allem das von ihm konsequent gewahrte Spannungsverhältnis zwischen realistischer Darstellung, der er sich rückhaltlos verpflichtet fühlt, und der darüber immer wieder triumphierenden Abstraktheit der Malerei, der Farbe, des Prozesses und der Bewegung, die seine Werke immer wieder zum Ausdruck bringen. Mezheritski lebte in verschiedenen Ländern und hatte daher in seiner Arbeit mit sehr unterschiedlichen Lichtstimmungen und Atmosphären zu tun. Hinsichtlich Motiv- und Farbauswahl weisen seine Werke eine große Bandbreite auf: einerseits die kühlen, silbernen, gedämpften Töne des diffusen Winterlichts Russlands und andererseits die heißen, gesättigten Töne des sonnendurchfluteten Blattwerks der israelischen Wüste. Doch ungeachtet dieser Unterschiede in der Farbgebung bleibt die Vollkommenheit seines Farbrhythmus auf der Leinwand unverändert: kurze, fragmentarische Pinselstriche, die sich plötzlich in Blumen oder Wald verwandeln, oder einzelne lange Pinselstriche, die sich irgendwie zu einer Reihe von Häusern, einem Küstenstreifen oder eine Meerlandschaft formen. Adrian Piper, Doktor der Philosophie, Künstlerin. 2007

Ich betrachte ein düsteres Kunstwerk. Die Dämmerung, das Kap, ein paar Felsen, scheinbar eintönige Flächen. Grau, grau, alles scheint grau, aber gerade darin besteht der Zauber, in diesem Anderssein: die Eintönigkeit des Farbtons und das Eintauchen in diese Finsternis. Ich fühle dieses Eintauchen physisch… Alles ist dermaßen gefühlstief… Eine göttliche Saite erklingt, im Gleichklang mit meiner und Ihrer Seele, mit der Natur selbst… Ich betrachte ein weiteres Werk von Mezheritski und denke: Mein Gott, wie schön diese blühende Sinfonie komponiert ist. Dieser einzelne Baum – wie genügsam er scheint, gar nichts Außergewöhnliches. Sich in dieser Unendlichkeit von Blumen und Blütenblättern zurechtzufinden… Und dann diese Ganzheit, diese Konzeption, wie Ton und Farbe sowohl der Erde als auch der Ferne ungewohnt nah beieinander sind. Alles bläulich-silbern. Die kalte Farbskala. Der Künstler verlässt sie nicht, in ihren Grenzen erschafft er… ein Kunstwerk. Vladimir Krishtopenko, Kunstwissenschaftler, Maler. 1997

Mit großer Liebe und Intensität sind die Landschaftswerke gemalt, insbesondere die Landschaften Odessas. Mezheritskis Odessa ist dabei nicht an bekannten Straßen oder architektonischen Denkmälern erkennbar. Es zeigt vielmehr die silbernen Olivenbüsche an den Hängen von Bolschoi Fontan, die blühenden Akazien- und Kastanienbäume in stillen Straßen, die malerischen Umgebungen von Moldawanka und Peressyp und die paradiesischen Meeresbuchten. Tamara Litvinenko, Malerin. 2008

Jedes der hier vorgestellten Werke ist ein Werk im wahrsten Sinne des Wortes. Darüber hinaus besteht ihre Besonderheit darin, dass sie die Fähigkeit des Künstlers widerspiegeln, das Schöne auch dort zu erkennen, wo andere es nicht wahrnehmen… In einem unscheinbaren Motiv, bei dem mit den Mitteln wahrer Kunst ohne oberflächliche Effekte seelische Tiefe und Harmonie ausgedrückt wird. Jedes dieser Gemälde ist kostbar, jedes gilt als Schmuckstück. Dass es bei uns derartige Künstler gibt, erfüllt uns alle mit großer Freude. Dina Frumina, Malerin. 1997

Seine Malerei erhält neue Stilmerkmale. Ihre Entstehung ist nicht nur unerwartet, sondern wunderbar, da er als reifer Künstler den Traditionalismus seines eigenen Malsystems überwindet, das auf der Farbtonanalyse beruhte. Jetzt überwiegen Farbe und Dynamik des Raumes… Diese Veränderungen hat ihm sicherlich die Natur Israels vorgesagt, die Epik der von der „offenen“ Sonne überfluteten Landschaften, das smaragdgrüne Gras, der Licht reflektierende Sand, all das, was das besondere malerische Kolorit dieses Landes auszeichnet. Aber vor allem hat er in seiner Malerei die Poetik der Urheimat tief nachempfunden – ein sehr subtiles Motiv in der Malerei. Tatjana Bassanets, Kunstwissenschaftlerin. 2008

…das ist eine sehr genaue, wahrhaftige, und vor allem zutiefst lyrische Malerei. Sie spielt auf irgendwelchen feinsten Saiten… Zweifellos wurde Derartiges erst im 20. Jahrhundert möglich, nachdem eine Revolution in der Malerei stattfand, nach Cézanne und Matisse also, und gleichwohl unter Berücksichtigung dessen, was vor ihnen war. Und mit dem Verständnis, dass Kunst ewig ist… das ist meiner Meinung nach jene Klassik, die unvergänglich bleibt, was auch immer mit der Kunst geschehen mag. Diese Werke beeindrucken durch ihre Feinfühligkeit. Yevgeny Golubovski, Kulturwissenschaftler, Literat. 1997

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