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Kommen wir zu meinen lieben Ljonja* Mezheritski, Gena* Malyshev und Ossik* Ostrovski [* Kurzform des Vornamens – Anm.d.Hrsg.]: Wir besuchten zusammen den gleichen Studiengang und verbrachten am Tag bis zu 16 Stunden gemeinsam. Nach dem Unterricht fuhren wir mit unseren Malkästen aus der Stadt, um die Sonnenuntergänge zu malen. Danach kehrten wir zum abendlichen Zeichenunterricht an die Kunstschule zurück. Wir arbeiteten wie besessen und kannten keine Sonntage. Ljonja Mezheritski war ein göttlicher Maler, der stille, beseelte Werke schuf, wie die Musik Schuberts. Ich erinnere mich an sein Porträt von Ehefrau und Kind, ein echtes Meisterwerk.
Lev Mezhberg. „Einige Dankesworte an die Odessaer Maler“. New York. 1985
Veröffentlicht: Internetversion der Edition K.K. Kusminski und G.L. Kovalev, „Anthologie der neueren russischen Poesie ‚An der Blauen Lagune’ in 5 Bänden“

Er war von jener Neugier des Welterkennens getrieben, die nur den Großen der Menschheit eigen ist. … Wenn er seine Offenbarungen und Offenherzigkeit äußerte, „öffnete“ er sich nicht, weil er immer offen war. Für ihn als Mensch, der physisch … und psychisch stark war und dem eine eigene ästhetische und ethische Harmonie innewohnte, bestand keine Notwendigkeit, sich zu „verschließen“. Natürlich versetzte er uns, die wir … auf dem Boden der allgemeinen Uniformität der Meinungen aufgewachsen sind, damit in einen schockartigen Zustand.
Leonard-Oleg Morozov. „Onkel… Mein Onkel…“. 2008

Etwas schwierig war er, Ljonja Mezheritski, traute seinen eigenen koloristischen Fähigkeiten nicht. Er benötigte Hilfe, um dieses Misstrauen zu überwinden, das ihn bei der Entwicklung seiner tatsächlichen Fähigkeiten behinderte. Mit der Zeit hat er sich zu einem wirklichen Künstler entwickelt, der ein feines Gespür für Farben hat und die Proportionen und den Charakter des Darzustellenden gut erkennt. In seinen besten Werken stellt er einen lyrischen Zustand her, so dass das gestaltete Werk zu wahrer Kunst wird. … In den theoretischen Fächern, insbesondere den Naturwissenschaften, war er der Beste und stand seinen Kommilitonen stets helfend zur Seite.
Dina Frumina. „Meine Erinnerungen“.
Veröffentlicht: Herausgabe „Galerie „Most““, Odessa, 2005

Mit seinen damals fast 70 Jahren war Leonid Jakowlewitsch [Leonid J. Mezheritski – Anm.d.Hrsg.] noch außerordentlich leistungsfähig. Als ihm versprochen wurde, eine Ausstellung in Tel Aviv zu organisieren, begann er damit, Rahmen für seine Bilder selbst anzufertigen. … Tag und Nacht arbeitete er mit großem Geschick an einer kleinen Werkbank, die er sich mitgebracht hatte. Die Kosten für die Bestellung der Rahmen waren in Israel wie überall nicht gerade gering. Leonid Mezheritski war nie wohlhabend. Aber er war sehr erfinderisch, wie auch sein Bruder, der Maler Eduard Morozov, mit dem er zusammen in Karmiel lebte. Gemeinsam verwirklichten sie das Ausgedachte so kühn, dass plötzlich ein Reifen und Teile eines Automotors Zierleisten auspressen und sofort mit dem Bilderrahmen verkleben konnten.
Boris Moros. „Leonid Jakowlewitsch Mezheritski in Israel“, 2010

Vater fand Gefallen daran, sich mit den Kindern zu beschäftigen, als sie in einem Alter waren, sagen wir, dass er mit ihnen Schach spielen oder ihnen die Mathematik erklären konnte. Von der „jüngeren Generation“ ließ er sich zuweilen mit strenger Miene das Hausaufgabenheft zeigen. Dann musste man irgendwohin verschwinden, vertrieb sich die Zeit und hoffte darauf, dass er es wieder vergaß, was meistens auch so eintrat. Aber wenn dieses nicht der Fall war, gab es auch andere, schwierigere Zeiten. Eine Rettung war, dass er eigentlich gar keine Lust hatte, das Hausaufgabenheft zu überprüfen und anderen unangenehmen Pflichten nachzukommen. Er hatte seinen ganz eigenen Lebensstil. Als ich jung war, hatte ich kein Verständnis dafür…, lehnte ihn im Innersten sogar ab. Wie sollte auch sonst sein, die Eltern der Anderen führten doch ein normales Leben, standen frühmorgens auf, kümmerten sich um die alltäglichen Belange, bekamen regelmäßig Lohn und schufen sich ihr gemütliches Heim.
Julija Müller. In „Interview mit der Tochter des Malers“. 2008

Mezheritski sagte, dass er sich selbst weder zu den führenden Malern zähle noch zu den geführten; er sei „seiner selbst“. Zugleich war der so genannte „Selbstausdruck“ in seinem Schaffen niemals Selbstzweck. Ljonja [Leonid Mezheritski – Anm.d.Hrsg.] lehnte Falschheit, im Leben wie auch in der Malerei, konsequent ab. Viele hielten ihn für einen „unbequemen“ Menschen. Er führte leidenschaftliche Wortgefechte und heizte jede beliebige Diskussion durch kontroverse Themen an. Mezheritski schmeichelte sich niemals bei den „Mächtigen dieser Welt“ ein, weder bei Malern „in hoher Position“ noch bei den Lehrern der Kunstschule. Unter den Malern waren nicht viele, die Ljonja zu seinen Freunden zählte, doch diese wenige hatten auch in ihm einen ergebenen, aufrichtigen, uneigennützigen Freund, der ihnen in schwierigen Zeiten helfend zur Seite stand.
Tamara Litvinenko. „Andacht an einen Künstler und Freund“.
Veröffentlicht: Zeitung „Tikva“ – „Or Sameach“, Odessa, Nr. 2 vom 9. Januar 2008

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